Dieser Beitrag präsentiert eine sprach- und kulturwissenschaftliche Pilotstudie zu zeitgenössischen polnisch- und lateinsprachigen Epitaphen anhand von Inschriften auf dem Friedhof in Busko-Zdrój (Woiwodschaft Heiligkreuz), der sowohl einen kommunalen als auch einen pfarrlichen Teil umfasst. Ziel der Untersuchung ist es, erste Einblicke in die sprachlichen, stilistischen und semantischen Merkmale moderner Grabepitaphe zu gewinnen sowie deren Rolle in der Konstruktion individueller und kollektiver Identität im Kontext der lokalen Erinnerungskultur zu analysieren. Die exemplarische Analyse ausgewählter Inschriften zeigt, wie sich traditionelle religiöse Formeln mit zeitgenössischen, oft personalisierten Ausdrucksformen des Gedenkens verbinden. Der Vergleich zwischen dem kommunalen und dem pfarrlichen Teil des Friedhofs erlaubt zudem Rückschlüsse auf potenzielle Unterschiede im Ausdruck religiöser und kultureller Werte. Die Studie versteht Epitaphe als hybride Texte an der Schnittstelle zwischen privater Trauer und öffentlicher Repräsentation von Leben, Tod und gesellschaftlichen Normen im heutigen Polen. Sie bildet eine Grundlage für weiterführende Untersuchungen im regionalen und überregionalen Kontext.